"Ist das 'ne Minitrix?" Diese Frage haben wir von Ausstellungsbesuchern, die vor unserer Anlage standen, schon oft gehört. Und wenn man sich die Schienen mit der 9-mm-Spurweite anschaut, könnte man in der Tat auf die Idee kommen, dass wir eine N-Bahn betreiben. Es handelt sich jedoch um eine H0-Bahn, nur mit schmalerer Spur; eben: H0e (e für "eng"). Das sieht man auch an dem Zubehör, das wir verwenden (Häuser, Autos, Figuren usw.).

Nicht alles von einer Firma

Die eingangs zitierte Frage verrät aber noch etwas anderes, was für deutsche Modelleisenbahner typisch ist, nämlich dass Modellbahnen immer mit Firmen in Verbindung gebracht werden. Hierzulande hat man eben eine Märklin-, Fleischmann-, Roco-,  Minitrix- oder XY-Bahn. Das ist in anderen Ländern anders. In den USA zum Beispiel, die nun mal in vieler Hinsicht das "Mutterland" der Modelleisenbahn sind, käme niemand auf die Idee, sich so sehr auf eine Firma festlegen zu lassen. Es gibt dort auch kaum diese voll ausgebauten Programme, die von der Super-Lok über Schienen und Trafo bis zur Gleisschraube alles liefern, was man braucht. Man muss vielmehr die einzelnen Artikel wie Loks, Wagen, Gleise von verschiedenen Herstellern zusammenkaufen. Wenn die Firmen sich an die NMRA-Normen (des amerikanischen Modelleisenbahnerverbandes) halten, passt auch alles zusammen. Bei uns kann man dagegen eine Fleischmann-Lok nicht ohne Umbau auf Märklingleisen einsetzen und umgekehrt, und das ist in einem gewissen Maße natürlich durchaus gewollt, um die werte Kundschaft zur Markentreue zu erziehen.(In der Baugröße N ist das auch bei uns nicht ganz so, und das ist gut.).

Modellbahn kreativ

In diesem Sinne ist unsere Modellbahn auf gar keinen Fall eine "Minitrix", aber sie ist auch keine "Roco", keine "BEMO" und keine "Weinert", um einige unserer Fahrzeuglieferanten zu nennen. Im Gegenteil: Bei uns steht unsere Vorstellung am Anfang, und wir nehmen von den verschiedenen Firmen jeweils die Produkte in Anspruch, mit denen man diese optimal umsetzen kann. Das geht auch gar nicht anders, weil die angebotenen Sortimente nicht so komplett sind wie die der großen Hersteller für H0 oder N. Vieles muss man trotzdem noch selber bauen, und auch das finden wir gut. Etwas Selbstgebautes hat viel höheren Wert für einen selbst als etwas fertig Gekauftes.

Schmalspur - so "exotisch" ist das gar nicht

Was unterscheidet nun eine Schmalspurbahn von der "normalen" Eisenbahn? "Blöde Frage - die schmalere Spur!" denken Sie jetzt sicherlich. Stimmt - aber das ist nicht alles. Wegen dieser schmaleren Spur fallen auch die Loks und Wagen etwas kleiner aus. Beim großen Vorbild ist das genauso wie bei der Modellbahn. Wenn Sie schon einmal mit der Brohltalbahn, dem Vulkan-Express, oder mit der Selfkantbahn (etwas nördlich von Aachen) gefahren sind, ist es dieser Umstand sicherlich auch aufgefallen. Als man vor etwa hundert Jahren daranging, auch die bis dato durch die Bahn nicht erreichten Nebentäler und kleineren Ortschaften durch Schienenwege zu erschließen, musste man sparen, denn das Verkehrsaufkommen rechtfertigte meist nur eine ganz einfache Eisenbahn. Die Schmalspur bot sich an, denn die Trasse war schmaler und billiger. Geringere Geschwindigkeiten erlaubten die Anlage schärferer Kurven und somit die bessere und preisgünstigere Ausnutzung der vorhandenen Topographie. Leichtere Schienen und Fahrzeuge, eine einfachere Betriebsweise ohne große Stellwerke und Signale, billigere bauliche Anlagen und andere Vorteile ermöglichten es, auch da noch eine Bahnlinie zu verlegen, wo keine Großindustrie und keine riesigen Pendlerströme zu erwarten waren. Aber landwirtschaftliche Produkte konnten jetzt besser vermarktet werden, abgelegene Steinbrüche waren wirtschaftlich zu betreiben, die Holzabfuhr wurde vereinfacht, und wenn der Lehrer zum Schulamt, die Oma zum Augenarzt, die Dorfjugend zur höheren Schule oder zur Kirmes, vielleicht auch mal der Pastor zum Ordinariat musste, war das mit der Kleinbahn immer noch besser zu machen als per Pedes. Nur - eine solche Reise dauerte halt. Wer zur Stadt und zurück musste, plante da schon mal einen ganzen Tag ein, und die bekannten Spottnamen wie "Feueriger Elias" und "Pengel-Anton", die man den Bähnchen verlieh, zeigen, dass man schon damals lieber schneller von der Stelle gekommen wäre.

Die meisten Schmalspurbahnen bestehen nicht mehr

Spätestens aber der aufkommende Autoverkehr hat den Schmalspurbahnen nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach den Garaus gemacht, und heute ist fast keine mehr übrig - jedenfalls was die alten Bundesländer betrifft. Und wenn man es in der DDR gekonnt hätte, hätte man auch dort viel mehr Strecken viel früher stillgelegt, ganz sicherlich. Dass die wenigen Relikte der großen "Schmalspurzeit" heute - oft als Museums- oder Touristikbahnen - so beliebt beim Publikum sind, zeigt aber, dass die Ära der Bimmelbahnen wohl auch ihre guten Seiten gehabt haben muss. Vielleicht war es unter manchen Aspekten eben doch eine gute alte Zeit, gemütlicher und menschlicher, mit mehr gegenseitiger Hilfe und weniger Ellbogen, mit weniger Egoismus und höherer Bereitschaft, auch unter widrigen Lebensumständen durchzuhalten.

Bekenntnis zur Bimmelbahn

Wir Schmalspurfreunde unter den "Eisenbahn- und Modellbahnfreunden Siebengebirge" bekennen uns jedenfalls zu unserer Vorliebe für die alte Bimmelbahn und die Leute drum herum. Natürlich ist uns klar, dass man die alten Zeiten nicht einseitig glorifizieren darf; Schwierige Lebensumstände, Krankheiten, Kriege und Notzeiten haben das Kleinbahnwesen schließlich ebenso geprägt wie die schönen Seiten des Lebens. Aber wer im Hobby einen Ausgleich sucht für die alltägliche Hektik unserer Tage, der darf sicherlich von einer friedlichen Welt träumen, in der die Schmalspurbahnen niemals stillgelegt werden und in der das Leben menschlich bleibt.